Rehm 2017-12-28T12:54:56+00:00
Abbildung: © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Biografie

1815 Geburt der Pfarrerstochter Amalie Eleonora Augusta Rehm in Steinheim > lesen


1816 Umzug nach Memmingen


1832 Tod der Mutter


1842 Amalie Rehm gründet einen „Verein für christliche weibliche Erziehung in den Heidenländern“


1854 Amalie Rehm zieht als eine der ersten Diakonissen nach Neuendettelsau > lesen


1855 Erste Vorsteherin der Diakonissen > lesen


1858  Einsegnung als Oberin


1859–66 Gründung von diakonischen Einrichtungen (Rettungshaus, Behinderteneinrichtungen, Krankenhäuser) > lesen


1872  Tod des Rektors Wilhelm Löhe und Wahl des Nachfolgers Friedrich Meyer


1883 Tod

„Liebe deinen Nächsten
wie dich selbst“

Mitmenschen in Not zu helfen ist Teil des christlichen Lebens. In Jesus wandte sich Gott selbst den Menschen zu und Jesus rief mit seinem Vorbild dazu auf, Hungrige zu speisen, Durstige zu tränken, Fremde aufzunehmen, Nackten Kleidung zu geben, Kranke zu pflegen, Gefangene zu besuchen und Tote zu bestatten. Diese Hinwendung zum Nächsten in jeder Lebenslage entdeckten Christinnen und Christen im 19. Jahrhundert angesichts der drängenden Sozialen Frage wieder. Diakonische Einrichtungen entstanden deutschlandweit. In Bayern gehörte Amalie Rehm zu den Frauen, die sich als Diakonissen ganz dem Engagement für andere widmeten und die Diakonie mit auf den Weg brachten.

Die Soziale Frage in Bayern

Die Soziale Frage in Bayern

Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des Wandels: Technische Fortschritte veränderten die Arbeitsverhältnisse grundlegend. Aber Bevölkerungswachstum, Hungersnöte und katastrophale Arbeitsbedingungen in den Fabriken führten auch Massen in die Armut. Im landwirtschaftlich geprägten Bayern kamen Industrie und Fortschritt nur langsam an. Auf dem Land litten die Menschen unter der schlechten gesundheitlichen Versorgung, am meisten die Kinder: Jedes vierte Kind starb in seinem ersten Lebensjahr. Besonders betroffen waren die vielen unehelichen Kinder; eine Heirat war in Bayern nur mit einem gewissen Grundbesitz möglich.

Wikipedia: Theodor Hosemann, Armut im Vormärz (1840)
Wikipedia: Theodor Hosemann, Armut im Vormärz (1840)
Gregor Meilchen: Der Pauperismus. Massenarmut im Vormärz. In: Praxis Geschichte 19 (2006), Heft 3, S. 34-38, hier S. 34.
Die Wandlungen im 19. Jahrhundert betrafen nicht nur die Arbeitswelt: Die Aufklärung brachte mentale Veränderungen mit sich, Revolutionen forderten Gleichheit und die Auflösung traditioneller Stände. In Bayern kamen zudem massive Gebietsänderungen durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) in Gange, wodurch dem einstmals rein katholische Gebiet Altbayerns nun auch evangelische ehemalige Reichsstädte und Gebiete wie Franken angeschlossen wurden. In den Städten entstanden wie bereits erwähnt Fabriken und eine Verbesserung von Wohnungssituation und Hygiene, Infrastruktur und kommunalen Dienste, gleichzeitig aber auch die Massenarmut der neu entstehenden Schicht des Proletariats. Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal, gesetzliche Regelungen gab es kaum. Zu Beginn des industriellen Aufschwungs waren Wochenarbeitszeiten von 75 und mehr Stunden üblich. Erst im Lauf der Zeit verkürzten sich die Arbeitszeiten, 1900 wurde der 10-Stunden-Arbeitstag in einer 5½-Tage-Woche eingeführt.
Bayern blieb auch im Zeitalter der Industrialisierung ein agrarisch geprägtes Land, in dem die Industrien nur langsam Fuß fassten. Auf dem Land zeigten sich die Folgen eher indirekt: durch die Konkurrenz maschinell hergestellter Erzeugnisse von der Armut bedroht, verließen gerade qualifizierte Menschen das Land und zogen in Städte. Außerdem schuf die Bauernbefreiung neue Möglichkeiten für die Landwirte, aber auch neue Risiken. Die Bevölkerung nahm stark zu und so verarmten viele Bauern, die sich nicht genug Land leisten konnten. Maßnahmen der Regierung gegen den Pauperismus ließen die Armen durch die sozialen Netze fallen: Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesetze machten die Niederlassung und damit den Zugang zu Bürgerrecht und Fürsorge von einem Grundbesitz und -einkommen abhängig; die Eheschließung wiederum war an die Niederlassung gebunden. Daher waren während der Gültigkeit (1834-1868/69) fast ein Viertel der Kinder in Bayern unehelich. Diese waren besonders von der hohen Kindersterblichkeit betroffen.

Amalie Rehm und die Diakonie Neuendettelsau

Amalie Rehm und die Diakonie Neuendettelsau

Frühe Verantwortung

Amalie Rehm wird 1815 als Pfarrerstochter geboren. Sie wächst in der kleinen Stadt Memmingen auf, und als ihre Mutter stirbt, ist die 17-Jährige für die Familie und den gesamten Haushalt verantwortlich. Trotzdem engagiert sie sich in Vereinen und gründet sogar selbst einen „Verein für christliche weibliche Erziehung in den Heidenländern“. Als sie 1853 den Pfarrer Wilhelm Löhe kennenlernt, ist sie begeistert von seiner Idee: Löhe sieht einerseits das Leid der Menschen und andererseits die ungenutzte Hilfsbereitschaft vieler Frauen. Deshalb lädt er Amalie Rehm ein, das erste Diakonissenhaus in Bayern mitaufzubauen.

Amalie Rehm wächst wie bereits erwähnt als Pfarrerstochter in Memmingen auf, und ist eine der besten Schülerinnen der dortigen Volksschule. Nach dem Tod ihrer Mutter übernimmt sie den belebten Haushalt mit sieben kleineren Geschwistern und häufigem Besuch. Außerhalb der Familie ist sie im Vereinsleben aktiv, das im 19. Jahrhundert aufkam; zunächst nur als Mitglied eines Frauenvereins. Nach einem Besuch des Basler Missionars Felizian Maremba gründet sie selbst einen Verein, um Bildung für Mädchen und Frauen im Ausland zu unterstützen.
Durch den Vikar in Memmingen lernte sie die konfessionelle Bewegung und Wilhelm Löhe kennen, den sie 1853 gemeinsam mit ihrer Freundin Caroline Rheineck in Neuendettelsau besucht. Er möchte beide als Diakonissen gewinnen. Caroline Rheineck brachte als Kaiserswerther Diakonisse schon einige Erfahrung, besonders in der Betreuung von Kleinkindern, mit.
Für Amalie Rehm war es der erste Schritt außerhalb der Familie; sie zögert nicht lange, benötigt nur etwas Zeit, ihren Vater zu überzeugen: „Auch ich habe nun die Erlaubnis zu gehen. Der Vater ließ sich alles genau erzählen, las die Sache durch und scheint sich für den Augenblick sehr dafür zu interessieren. Er sagte endlich, daß er mir nichts in den Weg legen wollte, ich sollte in Gottes Namen versuchen, ob ich zu diesem Beruf tauge.“ Die Skepsis des Vaters war angesichts der neuen Lebensform der Diakonissen nicht verwunderlich; sie gab unverheirateten Frauen eine Möglichkeit, auch außerhalb des Familienkreises zu leben, sich zu bilden und sozial zu engagieren.

Trotz dieser positiven Auswirkungen für Frauen bleibt eine gewisse Ambivalenz, da der Diakonissenberuf das traditionelle Frauenbild fortsetzte (oder sogar verstärkte) und die Unterordnung unter den Rektor schöpfungstheologisch begründet wurde.

Wilhelm Löhe (1808–72), ca. 1865 © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Wilhelm Löhe (1808–72), ca. 1865 © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Caroline Rheineck (1811–55) zog mit Amalie Rehm in das erste Diakonissenhaus. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Die Anfänge der Diakonie Neuendettelsau

Amalie Rehm kommt 1854 nach Neuendettelsau, um mit 14 anderen jungen Frauen in das provisorische Diakonissenhaus im Gasthaus „Zur Sonne“ einzuziehen. Dort erhalten sie eine umfangreiche Ausbildung, die sie zur sozialen Arbeit in ihren Gemeinden befähigen soll. Das Bildungsprogramm umfasste Seelsorge und Pädagogik, aber auch Rechnen und medizinische Kenntnisse.

Neuendettelsau. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau.
Neuendettelsau. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau.
Neuendettelsau. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau.
Nicht alle Frauen im Gasthaus „Zur Sonne“ wollten Diakonissen werden, sondern Wilhelm Löhe hatte eine offene Gemeinschaft im Sinn und wollte eine Ausbildung auch für Frauen ermöglichen, um in den Gemeinden tätig zu werden. Die Ausbildung der Diakonissen war wie bereits erwähnt breit: Berufsbildung (Seelsorge, Pädagogik, Lehrmethoden wie Einfalt), Allgemeine Bildung (Lesen, Schönschreiben, Deutsche Sprache, Rechnen, Hausarbeit, Stricken und Nähen, Gesang und Musik), religiöse Bildung (Bibel, Bekenntnis, kirchliche Lehren, Kirchenjahr, Liturgie, richtiges Predigthören, Kenntnisse anderer Kirchen) und medizinischen Unterricht (Medizin und Krankenpflege, Umgang mit geistig behinderten Kindern). Damit war ein Bildungsprogramm entstanden, wie es für Frauen zu dieser Zeit nur selten zugänglich war.

Amalie Rehm
übernimmt die Leitung

Nach dem Tod von Caroline Rheineck wird Amalie Rehm die erste Vorsteherin und schließlich die erste Oberin des Hauses. Ein Vierteljahrhundert lang prägt sie die Entwicklung und das Wachstum der Diakonissenanstalt. Vielfältige Aufgaben – von Unterricht über Verwaltung bis zur Haushaltsführung – beschäftigen die engagierte Frau. Hinzu kommen Reisen zu Konferenzen oder den bayernweit entstehenden Zweigstellen der Diakonissen. In der schwierigen Übergangszeit zwischen dem Tod Wilhelm Löhes und der Wahl Friedrich Meyers zum neuen Rektor hält sie die Schwestern zusammen. Bei ihrem Tod 1883 ist aus den kleinen Anfängen im Gasthaus eine Gemeinschaft von über 200 Schwestern gewachsen – die viertgrößte Diakonissenanstalt in Deutschland.

Amalie Rehm begleitet und leitet die Entwicklung der Diakonie im Stillen, sanft und doch wirksam. Dass sie sich dabei unermüdlich und ohne Rücksicht auf sich selbst einsetzte, entsprach dem Idealbild der Diakonisse: Sie war „wahrlich nicht weich gegen sich selbst, hat vielmehr unter viel körperlichem Leiden und Schwachheit Jahre lang gearbeitet und erst dann die Arbeit niedergelegt, als es gar nicht mehr gehen wollte und sie am Zusammenbrechen war. […] Sie hat unterm Kreuz gearbeitet und treulich ausgehalten, bis der Herr die müde Pilgerin zur Ruhe brachte.“ Der Nachfolger Löhes, Meyer, würdigt sie ihrer Begräbnisrede aufgrund ihrer „edlen Einfachheit, herzlichen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, gleichmäßigen Freundlichkeit, hohen Verständigkeit und Besonnenheit, Selbstüberwindung.“

Sie brachte die Diakonissenanstalt mit auf den Weg – von einer kleinen Einrichtung hin zu einem großen Netzwerk mit vielen Aufgabenbereichen, auch durch schwierige Zeiten wie den Wechsel von Löhe zu Meyer: „Sie war in dieser Zeit als eine stille und starke Seele der Halt und Trost der Schwesternschaft.“

Das Diakonissenhaus kurz nach seiner Einweihung. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Das Diakonissenhaus kurz nach seiner Einweihung. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Amalie Rehm
Amalie Rehm. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Dem Nächsten helfen – damals und heute

Dem Nächsten helfen – damals und heute

Um das Diakonissenhaus herum entstanden unter Amalie Rehm weitere soziale Einrichtungen:

Districts-Männerhospital. © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Districts-Männerhospital, © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Einrichtung für behinderte Menschen, © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Krankenpflege

Die lokale medizinische Versorgung war schlecht und die Zustände in den Krankenhäusern oft katastrophal. Das Spital in Neuendettelsau war zunächst vor allem für die anspruchsvolle Ausbildung der Diakonissenschülerinnen gedacht. Die Skepsis der Menschen auf dem Land gegenüber Krankenhäusern war allerdings groß: Nur wer keine Familie und keine Mittel hatte, setzte sich den Gefahren neuer Infektionen aus. Erst allmählich konnten die Diakonissen einen geregelten Betrieb aufbauen, der dann auch als „Distriktspital“ gefördert wurde. Gegen Ende der 70er Jahre hatte das Krankenhaus einen regelmäßigen Betrieb und die Zahl der Patient*innen stieg an.

Arbeit mit Menschen mit Behinderungen

Schon die ersten Diakonissen hatten einen geistig behinderten Jungen aufgenommen; ihm folgten schon im nächsten Jahr 16 weitere. Der Bedarf war groß und die Arbeit mit behinderten Menschen erst im Entstehen. Viele Mediziner der Zeit betrachteten Menschen mit Behinderungen als minderwertig. Die Diakonie Neuendettelsau setzte dagegen ein anderes Menschenbild: Jeder Mensch ist ein wertvolles Kind Gottes und hat das Recht auf ein Leben in Würde.

Wilhelm Löhe war der erste, der diakonische Arbeit und die Arbeit mit behinderten Menschen verband. Er reiht sich allerdings ein in die wenigen Versuche seiner Zeit, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Die medizinisch verbreitete Sicht der Zeit sah Menschen mit Behinderungen oft wie bereits erwähnt als minderwertige Kreatur zwischen Affe und Mensch, „eine Entartung des menschlichen Geschlechts“. Dagegen setzte die Diakonie in Neuendettelsau ein positives Menschenbild, das für alle das Bestes suchte und einen sicheren Raum bot. Von Anfang an war auch Unterricht für die Menschen mit Behinderungen vorgesehen, die besonders religiöse und auch musikalische Bildung umfasste. Für einige konnte auch eine sog. „Blödenkonfirmation“ eingerichtet werden; da aber nicht alle die intellektuellen Fähigkeiten zur Wissensprüfung hatten, wurde ausgerechnet in der kirchlichen Praxis Ausgrenzung deutlich.

Arbeit mit „gefallenen“ Frauen

Uneheliches Zusammenleben und uneheliche Kinder, Prostitution und Abtreibungen galten als Sünden, für die vor allem die Frauen verantwortlich seien. Solchen „gefallenen“ Frauen bot die Diakonie in Magdalenenhäuser Schutz und Förderungsmöglichkeiten. In Neuendettelsau wurden die Magdalenen in das Diakonissenleben integriert, nahmen an Gottesdiensten teil und arbeiteten für das Diakonissenhaus. Danach hatten sie die Möglichkeit zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

„Gibt es einen Notstand unserer Zeit, der unbekannt ist und dann, wenn er zur Kunde kommt, nur von wenigen geglaubt wird, so ist es das Maß der Unzuchtsünden, welches unsere Christenwelt erfüllt.“ Der Pfarrer und Begründer der Inneren Mission Hinrich Wichern sprach mit diesem Votum eine zentrale Sorge der Inneren Mission an, die den Sittenverfall des 19. Jahrhunderts beklagte. Zahlreiche „Sittlichkeitsvereine“ schossen aus dem Boden und widmeten sich Prostitution, unehelichem Zusammenleben, unehelichen Kindern, Abtreibung, Kindesmissbrauch und Mädchenhandel. Als Hauptschuldige galten die Frauen: „Und doch ist ein gesunkenes Weib häßlicher und abscheulicher als ein gesunkener Mann. Ein Mann kann in den tiefsten Schlamm der Sünde, des Verbrechens sinken, er kann sich ebenso gut wieder erheben. Ein Weib aber, welches einmal gesunken ist, erhebt sich niemals wieder.“ Sogenannten „gefallenen Frauen“ boten Magdalenenhäuser Schutz und waren zugleich Erziehungsmaßnahme. Löhe ging davon aus, dass mit der Beichte auch die Absolution erteilt war, und war damit einer der wenigen, der den Frauen auch die Möglichkeit einer Wiedereingliederung in die Gesellschaft gab. Dennoch kehrten von den 112 in 18 Jahren aufgenommenen Frauen die Hälfte wieder in alte Lebensumstände zurück.

Magdalenum, © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau
Rettungshaus, © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Reintegration von Sträflingen und Rettungshaus

1862 schloss der bayerische Staat mit der Diakonissenanstalt einen Vertrag, dass entlassene weibliche Sträflinge für maximal ein Jahr aufgenommen werden sollten. Ziel war es, ihnen in der Erziehungsanstalt hauswirtschaftliche Kenntnisse zu verleihen, sodass sie nach Beendigung der Schulzeit eine Stelle bspw. als Magd finden konnten. Ähnliche Bedürfnisse brachte auch das Rettungshaus mit sich: Es sorgte für vernachlässigte Kinder oder Waisenkinder, die wie in kleinen Familien aufwuchsen und (christliche) Erziehung bekamen.

Neuendettelsau © Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Eine eigens errichtete Industrieschule ermöglichte Mädchen auch nach dem 14. Lebensjahr Unterricht (in biblischer Geschichte, Katechismus, Lesen, Rechnen, Schreiben, Geschichte, Buchführung und Zeichnen), um selbständig zu werden.

Arbeit mit Kleinkindern

Die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert führten auch dazu, dass Frauen in Fabriken arbeiteten und Kinder somit schon vor der Schulzeit Betreuung benötigten. In Neuendettelsau wurde 1861 eine Kleinkinderschule als Übungsort für die Diakonissenschülerinnen eingerichtet; sie blieb aber in ihrer Bedeutung hinter den anderen Einrichtungen zurück, auch weil Löhe die Erziehung von Kindern am liebsten direkt bei den Müttern gesehen hätte.

Diakonie heute –
der „unbekannte Riese“

Heute ist das Diakonische Werk Bayern mit über 2.900 Einrichtungen und rund 86.000 Mitarbeitenden der zweitgrößte Verband der freien Wohlfahrtspflege in Bayern. Ungefähr 25.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der Diakonie: in Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen, Hospizdiensten, Kindertagesstätten, Wohnungslosenhilfe und vielem mehr.

Sehen Sie hier einige Beispiele der Arbeit Ehrenamtlicher:

Zum Weiterlesen

Quellen

Briefe von und an Amalie Rehm, Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau.


Correspondenzblatt der Diaconissen Nr. 3 und Nr.4, 1883, Neuendettelsau.


Meyer, Friedrich: Lebensläufe selig heimgegangener Schwestern des Diakonissenhauses Neuendettelsau: Thron nach pilgernden Genossinnen zu Trost und Nacheiferung dargereicht von Friedrich Meyer, Nördlingen 1884.

Sekundärliteratur

Ammon, Johannes: Die Behindertenarbeit der Neuendettelsauer Diakonissenanstalt von der Gründung (1854) bis zum Ersten Weltkrieg, Frankfurt a.M. 1986.


Cordes, Martin (Hg.): Diakonie und Diakonisse: Beiträge zur Rolle der Frauen in kirchlicher sozialer Arbeit (Quellen und Forschungen zum evangelischen sozialen Handeln), Hannover 1995.


Friese, Hildburg: Amalie Rehm, in: Korrespondenzblatt der diakonischen Gemeinschaft Nr. 3, 1983.


Jenner, Harald: Von Neuendettelsau in die Welt Entwicklung und Bedeutung der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, Diakonie Neuendettelsau; 1854 – 1891/1900, Neuendettelsau 2004.


Jung, Martin: Der Protestantismus in Deutschland von 1815 bis 1870, Leipzig 2000.


Klenovsky, Anita und Franz/ Angele, Manfred/ Engelhard, Christoph: Amalie Rehm. Leben und Wirken der ersten Oberin der Diakonissenanstalt Neuendettelsau 1815-1883 (Materialien zur Memminger Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Memmingen, Reihe B, Heft 15), 2015.


Lauerer, Hans: Die Diakonissenanstalt Neuendettelsau 1854-1954, Neuendettelsau 1954.


Maser, Peter: „Was wir im letzten Grunde wollten“ Ein Blick von außen auf Wilhelm Löhe, seine diakonischen Strategien und ihr kirchlich-theologisches Umfeld, in: ZbKG 74, 2005.


Müller, Rainer (Hg.): Aufbruch ins Industriezeitalter, Bd 2: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bayerns 1750-1850, München 1985.
Schiffelholz, Gertrud: Amalie Rehm, in: Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V.: „Frauen zwischen Aufbruch und Anpassung“ (Materialien zur Memminger Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Memmingen, Reihe B, Heft 4), 2000.


Stempel- de Fallois, Anne: Das diakonische Wirken Wilhelm Löhes von den Anfängen bis zur Gründung des Diakonissenmutterhauses Neuendettelsau, Stuttgart 2001.