Projekt 2017-11-25T15:09:00+00:00

Über das Projekt

Anlässlich der Erinnerung an 500 Jahre Reformation wurde die Lutherstadt Wittenberg neben der historischen Stätten auch zu einem Begegnungsort mit und von Kirchen weltweit. Das Ziel war es, das Jubiläum in ökumenischer und internationaler Weite zu feiern, und so waren neben den deutschen Landeskirchen auch lutherische Kirchen aus aller Welt und die katholische Kirche präsent. In sieben Torräumen um die Altstadt Wittenbergs herum präsentierten sich gut 80 Organisationen und Kirchen mit vielfältigen Darstellungen – von intellektuellen Ausstellungen über die Barmer Theologische Erklärung bis zu medialen Installation, die Taufe in einem Erlebnisraum spürbar machte.
Neben dem ständigen Ausstellungsangebot gab es ein Programm, das in 16 Themenwochen und rund 2.000 Veranstaltungen mit Diskussionen, Gottesdiensten und Konzerten aktuelle Fragen ansprach.

Der Bayerische Garten

Konzept und Zielsetzung

Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern beteiligte sich an der Weltausstellung Reformation.
Dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro WandelLorch GmbH ein Gesamtkonzept entwickelt, das den gewählten Parkplatz in der Wallstraße zu einem Begegnungsort umgestalten sollte. Der „Bayerische Garten“ sollte ein Ort sein, an dem Neues wachsen kann und gezeigt wird, was aus der Reformation heraus in Bayern gewachsen ist. Im Gesamtkonzept stellt die Große Krippe des Künstlers Martin Burchard einen wichtigen Bestandteil dar: Sie lässt die Inkarnation Gottes erfahrbar werden und zeigt, wie der Himmel in der Krippe zur Welt kommt; im Blick in den Spiegel erkennt der Einzelne sich selbst als Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen; in 2017 Holzstreben (=80 m) lässt sie entdecken, wie die Geburt Jesu bis heute fortwirkt. In der Installation wurden an einer Wand hinter der Krippe eine Zeittafel mit Daten von Erneuerungsbewegungen in der Christentumsgeschichte platziert.

Mehr Bilder der großen Krippe finden Sie hier: atelier-burchard.de/grosse-krippe/

Die Große Krippe diente auch als Zeitstrahl und gab einen Überblick über Erneuerungsbewegungen in der Christentumsgeschichte.

Die Ereignisse im Zeitstrahl der großen Krippe (PDF)

Die Große Krippe diente auch als Zeitstrahl und gab einen Überblick über Erneuerungsbewegungen in der Christentumsgeschichte

Damit sollte die Reformation in einen breiteren Kontext eingeordnet werden, einer einseitigen Fokussierung auf einzelne Persönlichkeiten vorgebeugt und stattdessen die einzelnen Besucherinnen und Besucher ermutigt werden, ihren Platz in dieser Geschichte zu finden und nach notwendigen Erneuerungen heute zu fragen. So stärkte das Konzept auch das Leitmotiv des Reformationsjubiläums in Bayern „Immer neu – semper reformanda.“
Die vorgestellten Persönlichkeiten führten diesen Gedanken weiter. Bewusst nicht die bekanntesten Menschen der bayerischen Kirchengeschichte, sondern oft in Vergessenheit geraten, bewirkten sie doch alle aus ihrem Glauben heraus Neuaufbrüche: Olympia Morata als Frau in der Reformationszeit, Johann Pachelbel in der Musik, Amalie Rehm im diakonischen Bereich, Johann Flierl in Papua-Neuguinea, Karl Steinbauer in der Haltung zu Unrecht und Else Müller in der Ökumene. Exemplarisch für verschiedene Bereiche, auf die die Reformation Auswirkungen hatte, durch die letzten sechs Jahrhunderte hindurch und aus verschiedenen Gebieten Bayerns boten diese Persönlichkeiten Identifikationsmöglichkeiten und Gedankenanstöße für unterschiedliche Themengebiete. Bei der Darstellung wurde auf eine Vielfalt an Medien geachtet: Texte, Bilder, ein Magnetspiel, Hörstationen und Videoaufnahmen.

Der Grundgedanke des Neuanfangs wurde auch in einer Mitmachaktion gestärkt: Gäste konnten Blumensamen in den Beeten aussäen und so selbst etwas Neues pflanzen.
Jeder einzelne Holzstab der Krippe fand sich schließlich nochmals im Pavillon wieder, der von dem Frankfurter Künstler Jochem Hendricks in den Farben des Kirchenjahres gestaltet war und so ein einzelnes Jahr herausnahm. Von Advent über Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Pfingsten und Trinitatis lässt sich hier der Kreislauf des Kirchenjahres nachvollziehen. Damit wurde das lineare Geschichtsbild in der Krippe durch das zyklische ergänzt, das die Menschen seit Beginn der Christenheit bis heute verbindet.

Der Bayerische Garten wurde über die 16 Wochen Weltausstellung von wechselnden Teams begleitet. Insgesamt 52 Personen, die meisten davon ehrenamtlich, informierten die Gäste über Reformation in Bayern und die Ausstellung und standen zu Gesprächen bereit.