Pachelbel 2018-03-01T18:58:57+00:00
Abbildung: Signatur. LATh-StA Gotha, Oberkonsistorium Stadt Gotha Nr.434 Bl.26 RS

Biografie

1653 Taufe in Nürnberg > lesen


1669-1673 Studium in Altdorf und Regensburg > lesen


1673 Stellvertretender Organist am (katholischen) Stephansdom Wien – als Protestant! > lesen


1677 Hofmusiker in Eisenach > lesen


1678 Organist an der Predigerkirche Erfurt > lesen


1681 Heirat mit Barbara Gabler > lesen


1683 Frau und Sohn sterben an der Pest. Pachelbel komponiert „Musicalische Sterbensgedancken“ > lesen


1684 Heirat mit Juditha Drommer > lesen


1690 Am Hof in Stuttgart, bis die Familie vor der Kriegsgefahr fliehen muss > lesen


1695 Organist an St. Sebald, Nürnberg > lesen


1706 Tod

„Singt dem Herrn
ein neues Lied“

Glaube wird in vielen Formen lebendig: Kunst kann Ideen veranschaulichen, Musik das Herz berühren, wenn Worte versagen. Die Reformatoren sahen Musik unterschiedlich: Ulrich Zwingli verbannte sie aus dem Gottesdienst (obwohl er selbst talentierter Musiker war); Martin Luther dagegen schätzte Musik und förderte den deutschen Gemeindegesang, damit sich alle aktiv beteiligen konnten. 150 Jahre später schafft der Nürnberger Kirchenmusiker Johann Pachelbel mit seinem Kanon ein unvergessenes Werk. Dahinter steht ein bewegtes Leben, in dem ihm die Musik Trost schenkt und für ihn Himmelsklänge auf die Erde bringt.

Vom Schüler
zum Vorbild für Bach

Vom Schüler zum Vorbild für Bach

Das junge Talent

Johann Pachelbel zeigt schon als Schüler großes Interesse an Musik und erhält Orgelunterricht bei den führenden Musikern Nürnbergs. Mit 16 Jahren studiert er an der Universität Altdorf, muss aber aus finanziellen Gründen das Studium unterbrechen. Dank eines Stipendiums kann er es in der bunten Weltstadt Regensburg fortsetzen und nimmt zusätzlich Unterricht bei dem katholischen Organisten Kaspar Prentz, der ihm auch den italienischen, konzertanten Stil nahebringt. Die erste Arbeitsstelle führt den jungen Protestanten schließlich nach Wien, wo er stellvertretender Organist am Stephansdom wird.

Stephansdom Wien
Der Stephansdom in Wien. Kupferstich 1609 von Jacob Hoefnagel. © Bayerische Staatsbibliothek, Hbks/H 32 g#Tafel,9.

Pachelbels Weg
von Nürnberg nach Wien

Am 1. September 1653 wird Johann Pachelbel in Nürnberg getauft. Der wissbegierige Junge lernt an der Lateinschule St. Lorenz in Nürnberg, die eine der führenden Schulen in protestantischen Gebieten war. Er erhält auch Orgel- und Musikunterricht, wo sich wie bereits erwähnt schon früh seine besondere Begabung zeigt und er in die Nürnberger Schule eingeführt wird.
Seine Lehrer waren der Chorleiter Georg Caspar Wecker und der Organist Heinrich Schwemmer, beide Schüler von Johann Erasmus Kindermann, dessen Musik Sie hier hören können:

Bei seinem Studium in Regensburg, der Stadt des immerwährenden Reichstags, wird er ins Gymnasium poeticum aufgenommen. Durch Unterricht in Musiktheorie, Orgeln und Liturgie wächst er in das protestantische Gottesdienstwesen hinein; gleichzeitig hat er aber auch Unterricht bei dem katholischen Kantor Kaspar Prentz, der ihn auch mit italienischer Musik vertraut machte. In Regensburg lebten schon seit der Einführung der Reformation 1541 Protestanten und Altgläubige nebeneinander, da der Bischof in der Stadt blieb; damit spiegelt die konfessionsübergreifende Ausbildung Pachelbels eine positive Ausgestaltung dieses Zusammenlebens wider.
Diese grenzüberschreitenden Kenntnisse vertieft er anschließend durch einen Aufenthalt in Wien. Hier hält sich zur gleichen Zeit einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit, Johann Caspar von Kerll auf, der zuvor Münchner Hofkapellmeister gewesen war und in Rom studiert hatte. Pachelbel hat wohl bei ihm Unterricht und ist ungewöhnlich erfolgreich, was sich daran zeigt, dass er als Protestant stellvertretender Organist des Stephansdoms wird. So lernt er sowohl die italienische, als auch die katholische Tradition besser kennen.

Johann Pachelbel als Vorbild für Johann Sebastian Bach

Johann Pachelbel steht in einer Reihe mit großen Meistern wie Johann Sebastian Bach – persönlich und musikalisch: Nach seiner Ausbildung erhält er einen Ruf an den herzoglichen Hof nach Eisenach. Dort lernt er die Familie Bach kennen und unterrichtet Johann Christoph Bach, der später seinem Bruder Johann Sebastian das Gelernte weitergibt. So wird Johann Pachelbels Stil zu einer Quelle für einen der größten Komponisten überhaupt.

Pachelbel folgt 1677 wie bereits erwähnt einem Ruf an den Hof von Herzog Johann Georg nach Eisenach. Der Onkel von Johann Sebastian Bach, Johann Christoph Bach, ist zu der Zeit Organist in Eisenach, der Vater Stadtpfeifer. Johann Pachelbel schließt Freundschaft mit der Familie, wird Taufpate einer Tochter und Lehrer des älteren Bruders von J.S.Bach.
Die Satztechnik des jungen Bach und Pachelbels ähneln sich so sehr, dass sogar ein Choralvorspiel Bachs fälschlicherweise unter Pachelbels Namen veröffentlicht wurde:

Seine Neigung und Fähigkeit zur Musik muß aber um diese Zeit schon sehr groß gewesen seyn, denn diejenigen Handstücke, die ihm sein Bruder zum Lernen gab, waren so bald in seiner Gewalt, daß er mit großer Begierde sich nach schwerern Stücken umzusehen anfing. Die berühmtesten Clavierkomponisten jener Zeit waren Froberger, Fischer, Johann Casp. Kerl, Pachelbel, Buxtehude, Bruhns, Böhm etc. Er hatte gemerkt, daß sein Bruder ein Buch besaß, worin mehrere Stücke der genannten Meister gesammelt waren, und bat ihn herzlich, es ihm zu geben. Allein es wurde ihm stets verweigert. Die Begierde nach dem Besitz des Buchs wurde durch die Verweigerung immer größer, so daß er endlich desselben auf irgend eine Art heimlich habhaft zu werden suchte. Da es in einem bloß mit Gitterthüren verschlossenen Schranke aufbewahrt wurde, und seine Hände noch klein genug waren, um durchgreifen und das nur in Papier geheftete Buch zusammen rollen und heraus ziehen zu können, so bedachte er sich nicht lange, von so günstigen Umständen Gebrauch zu machen. Allein aus Mangel eines Lichtes konnte er nur bey Mondhellen Nächten daran schreiben, und bedurfte 6 volle Monathe, ehe er mit seiner so mühseligen Arbeit zu Ende kommen konnte. Als er endlich den Schatz sicher zu besitzen glaubte, und ihn nun heimlich recht benutzen wollte, wurde der Bruder die Sache gewahr, und nahm ihm die so schwer gewordene Abschrift ohne Gnade und Barmherzigkeit wieder ab, die er auch nicht eher als nach dem bald darauf erfolgten Tode dieses Bruders wieder erhielt.

Quelle:
Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke. Für patriotische Verehrer echter musikalischer Kunst Von J. N. Forkel, Leipzig 1802, 4f.
Residenz des Herzogs in Eisenach. Quelle: Metilsteiner CC BY-SA
Residenz des Herzogs in Eisenach. Quelle: Metilsteiner CC BY-SA

Glück und Leid

Glück und Leid

Der Meister an der Orgel

Johann Pachelbels nächste Stelle an der Predigerkirche in Erfurt weist einige Besonderheiten auf: Einmal im Jahr muss der Organist sein Können in einem Probespiel beweisen, bei dem er alle Möglichkeiten des Instruments nutzen sollte. Johann Pachelbel gibt dies Gelegenheit, große Chaconnen und Toccaten zu komponieren. Aber auch die Orgelchoräle für Gottesdienste machen Musikgeschichte: Moderne Musikhistoriker sprechen gar vom „Pachelbel-Typus“.

Hier zwei Beispiele für Pachelbels Orgelwerke:

Choralvorspiel zum Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Johann Pachelbel: Orgelwerke. Bernhard Buttmann spielt an der großen Orgel der St. Sebald-Kirche, Nürnberg (Diamo 2004, CD-L 30311).
Toccata c-moll. Johann Pachelbel: Orgelwerke. Bernhard Buttmann spielt an der großen Orgel der St. Sebald-Kirche, Nürnberg (Diamo 2004, CD-L 30311).
In Pachelbels Vertrag ist auch festgelegt, dass er „ein gottseliges, still- und eingezogenes Leben führen, ärgerliche Gesellschaft und überflüssigen Trunk ernstlich meiden, bey der allein seligmachenden Evangelischen Religion ohnaussetzlich beharren“ solle. All dies scheint der junge Organist auch getan zu haben, denn bei seinem Abschied Jahre später wird ihm nicht nur Fleiß und Treue, sondern auch „sonst in seinem Leben und Wandel alle Gottesfurcht, Ehr- und Redlichkeit“ bescheinigt. Auch hier trifft Pachelbel auf ein interessantes religiöses Feld: einerseits eine stark ausgeprägte protestantische Frömmigkeit, die auch vom aufkommenden Pietismus beeinflusst wird, andererseits kommen ihm auch seine Erfahrungen mit dem Katholizismus zugute, da Erfurt seit 1664 kurmainzische Exklave ist und von einem paritätisch besetzten Rat bestimmt wird. Pachelbel spielt daher sowohl in lutherischen als auch in katholischen Gottesdiensten.
Auch zu großen staatlichen Ereignissen bekommt er Kompositionsaufträge. Zum Regierungsantritt des Erzbischofs Carl Heinrich von Metternich komponiert er die Erbhuldigungsmusik. Bei einem festlichen Empfang erklingt sie, zwei Arien mit bunter Besetzung (Violas, Trompeten, Posaunen, Schalmeien). Vielleicht lernt Johann bei diesem Anlass auch die Tochter des Bürgermeisters kennen, Barbara Gabler; zumindest ihr Vater ist bei dem Empfang anwesend.

Erbhuldigung von Heinrich von Metternich, Januar 1679. © Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Urkunden Weltlicher Schrank 71/82, Blatt 31.
Erbhuldigung von Heinrich von Metternich, Januar 1679. © Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Urkunden Weltlicher Schrank 71/82, Blatt 31.

Hoffnungsklänge mitten im Leid

1681 heiratet Johann Pachelbel Barbara Gabler, die Tochter des Erfurter Bürgermeisters, und ein Jahr später kommt ein Sohn zur Welt. Doch dann wütet die Pest in Erfurt und kostet fast die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner das Leben. Auch Johann Pachelbel verliert seine Frau und seinen kleinen Sohn. Seine Trauer, aber auch seine Zuversicht drückt er in der Musik aus: Die „Musicalischen Sterbensgedanken“ lenken die Gedanken weg vom Schmerz hin zur Hoffnung auf das Leben in Christus.

Die Pestepidemie im Jahr 1883 traf Erfurt hart: Die Krankheit breitet sich schnell aus, und die umliegenden Orte schließen ihre Grenzen zu Erfurt. Menschen, die mit Infizierten in Berührung gekommen sind, dürfen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Es sterben 130 Menschen pro Woche, insgesamt mehr als 9.000 (mehr als die Hälfte der Einwohner*innen Erfurts); darunter auch Barbara und der erst einjährige Johann Georg Pachelbel. Johann Pachelbel schrieb daraufhin Variationen zu verschiedenen Liedern, die Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit ausdrücken, unter anderem „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ von Samuel Rodigast. Dieser hatte den Text für einen Freund verfasst, der vermeintlich im Sterben lag und für die eigene Beerdigung einen Liedtext vertonen wollte; doch dann erholte er sich noch einmal von der Krankheit.

Musicalische Sterbensgedanken: Variationen über den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (Samuel Rodigast 1675). Status quo – Matthias Roth an der Beckerath-Orgel der Evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall (c+p 2010). www.matthias-roth.info
Aus dem Manuskript des geistlichen Konzerts „Vergeh doch nicht, du armer Sünder.“ © Bayerische Staatsbibliothek München, Musikabteilung, Mus.ms. 5381.
Aus dem Manuskript des geistlichen Konzerts „Vergeh doch nicht, du armer Sünder.“ © Bayerische Staatsbibliothek München, Musikabteilung, Mus.ms. 5381.
1) Was Gott tut, das ist wohlgetan,
es bleibt gerecht sein Wille;
wie er fängt seine Sachen an,
will ich ihm halten stille.
Er ist mein Gott, der in der Not
mich wohl weiß zu erhalten;
drum lass ich ihn nur walten.

2) Was Gott tut, das ist wohlgetan,
er wird mich nicht betrügen;
er führet mich auf rechter Bahn;
so lass ich mir genügen
an seiner Huld
und hab Geduld,
er wird mein Unglück wenden,
es steht in seinen Händen.
3) Was Gott tut, das ist wohlgetan,
er wird mich wohl bedenken;
er als mein Arzt und Wundermann
wird mir nicht Gift einschenken
für Arzenei;
Gott ist getreu,
drum will ich auf ihn bauen
und seiner Güte trauen.
4) Was Gott tut, das ist wohlgetan,
er ist mein Licht und Leben,
der mir nichts Böses gönnen kann;
ich will mich ihm ergeben
in Freud und Leid,
es kommt die Zeit,
da öffentlich erscheinet,
wie treulich er es meinet.
5) Was Gott tut, das ist wohlgetan;
muss ich den Kelch gleich schmecken,
der bitter ist nach meinem Wahn,
lass ich mich doch nicht schrecken,
weil doch zuletzt
ich werd ergötzt
mit süßem Trost im Herzen;
da weichen alle Schmerzen.
6) Was Gott tut, das ist wohlgetan,
dabei will ich verbleiben.
Es mag mich auf die raue Bahn
Not, Tod und Elend treiben,
so wird Gott mich
ganz väterlich
in seinen Armen halten;
drum lass ich ihn nur walten.

Musik an Hof und Kirche

Musik an Hof und Kirche

Klangkulissen des Hoflebens

Später heiratet Johann Pachelbel erneut und wird Vater von sieben Kindern, die seine künstlerische Begabung erben. Mit seiner Familie wechselt der Musiker 1690 an den herzoglichen Hof nach Stuttgart, wo eine andere Art von Musik gefragt ist als in den Erfurter Gottesdiensten. Wahrscheinlich entstehen hier kammermusikalische Werke, die auch bei kleineren Festen zum Klingen kommen. Bei der Hochzeit von Johann Christoph Bach spielt Johann Pachelbel selbst Geige – vielleicht seinen berühmten Kanon in D.

Am 14.August 1684 heiratet der Organist wie bereits erwähnt nochmals: Juditha Drommer, die Tochter eines Kupferschmieds. Sie werden fünf Söhne und zwei Töchter bekommen, von denen einige musikalisch und künstlerisch Berühmtheit erlangen: Besonders Wilhelm Hieronymus (1686-1764; Pachelbels Nachfolger an St.Sebald), Carl Theodorus (1690-1750; Auswanderung über England nach Amerika, weshalb viele Originalnoten J.Pachelbels heute in den Tenbury Handschriften, Oxford zu finden sind) und Amalia (1688-1723; Aquarellistin, Kupferstecherin und Autorin). Auch die Schüler Pachelbels werden bekannt und verteilen seinen Ruf über ganz Deutschland.
1690 wechselt Pachelbel dann überraschend an den Hof nach Stuttgart. Dort herrscht die tief religiöse Protestantin Herzogin Magdalena Sibylla als Vormund ihres minderjährigen Sohnes; sie ist pietistisch geprägt, aber auch musikalisch interessiert und dichtet Kirchenlieder.
In diesem Kontext entstehen wie bereits erwähnt sicherlich kammermusikalische Werke wie Pachelbels berühmtestes Werk, der Kanon in D.

Der Kirchenmusiker Nürnbergs

Als die französischen Truppen Stuttgart bedrohen, muss Johann Pachelbel mit seiner Familie fliehen. In Gotha erhält er eine Stelle; ein Angebot aus Oxford lehnt er ab, weil es ihm für seine Familiensituation undenkbar erscheint. Schließlich bietet sich die Chance, in seiner Heimatstadt Nürnberg die angesehene Stelle an der Stadtkirche St. Sebald anzunehmen – sogar ohne Probevorspiel. Hier bleibt er bis zum Ende seines Lebens.
Seine Musik prägt unzählige Gottesdienste: Er gestaltet Vorspiele, begleitet Gemeindegesang und komponiert Musik für die Liturgie. Für die Vespergottesdienste an Festtagen schreibt er eine Vielzahl von Magnificats, dem Lobgesang Marias auf die Erhebung des Niedrigen.

Magnificat in F, Egidienchor Nürnberg (Leitung: Pia Praetorius), Johann Rosenmüller Ensemble. Aufnahme: Martin Preiser 2016.

Obwohl Pachelbel sehr viele Gottesdienste gestaltet, sind seine Kompositionen keineswegs alle ähnlich, sondern sehr individuell gestaltet, sodass es sogar oft schwerfällt, sie einer Gattung zuzuordnen. Beim Magnificat betont Pachelbel so immer wieder neue Aspekte des Texts. Diese Gattung zeigt ihn auch als besonderen Innovator eines neuen Stils: keiner seiner Vorgänger in St.Sebald hatte ähnliches komponiert; wahrscheinlich standen seine Erfahrungen im katholischen Wien hier Pate.

St. Sebald. © Christian Düfel
St. Sebald. © Christian Düfel

Besonders bekannt und verbreitet wurden die Orgelwerke des Musikers, sei es als „Pachelbel-Typus“ des Orgelchorals oder als Lehrstücke für seine Schüler. So z.B. das Hexachordum Apollinis (1699), eine Sammlung von sechs Arien mit Variationen. Im Vorwort zu diesem Werk schreibt Pachelbel, was Musik für ihn ausmacht: Sie bilde das Singen der Engel auf der Erde ab und ist so Abglanz der göttlichen Herrlichkeit, wie auch der kosmischen Ordnung der Himmelskörper, die laut antiken Lehren eine harmonische Sphärenmusik erzeugten. Daher sei sie „die rechte Krone und der herzlichste Thron aller andern Künste“.

Pachelbel verbringt 12 Jahre in Nürnberg, bis er am 3.März 1706 stirbt – angeblich beim Singen seines Lieblingsliedes „Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht“.

Pachelbels Bitte um Entlassung aus Gotha © LATh-StA Gotha, Oberkonsistorium Stadt Gotha Nr.434 Bl.26 RS
Pachelbels Bitte um Entlassung aus Gotha © LATh-StA Gotha, Oberkonsistorium Stadt Gotha Nr.434 Bl.26 RS

Hier eine Aufnahme des Hexachordum:

„Hexachordum Apollinis“ (1699): sechs Variationen für Orgel oder Klavier. Die Titelseite zeigt, dass Pachelbel Musik als Geschenk des Himmels empfindet. © Bayerische Staatsbibliothek München, Musikabteilung, 4 Mus.pr. 404.
„Hexachordum Apollinis“ (1699): sechs Variationen für Orgel oder Klavier. Die Titelseite zeigt, dass Pachelbel Musik als Geschenk des Himmels empfindet. © Bayerische Staatsbibliothek München, Musikabteilung, 4 Mus.pr. 404.

Zum Weiterlesen

Belotti, Michael: Johann Pachelbel, in: MGG2, Personenteil, Bd. 12, Kassel etc. 2004, Sp. 1506-1515.


Brück, Helga: Kantoren und Organisten des 16.-19. Jahrhunderts in Erfurt, in: Die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums zu Erfurt. Geschichte, Bestände, Forschungsbereiche. Beiträge des Wissenschaftlichen Kolloqiums „Die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums als Quelle historisch orientierter Forschungen“ am 12. und 13. September 1997 im Erfurter Augustinerkloster, hrsg. von Michael Ludscheit, Bucha bei Jena 1998, S. 97-125 (= Band 2 der Reihe PALMBAUM Texte. Kulturgeschichte – in der Nachfolge der „Palmbaum-Studien“).


Eggebrecht, Hans Heinrich: Johann Pachelbel, in: MGG, hrsg. von Friedrich Blume, Kassel 1949ff., Bd. 10, Sp. 540-551.


Krautwurst, Franz: Johann Pachelbel (1653-1706), in: Franconia cantat. Fränkische Musikgeschichte in Lebensbildern aus sechs Jahrhunderten, Neustadt an der Aisch 2006.


Krummacher, Friedhelm: Kantate und Konzert im Werk Johann Pachelbels, in: Mf 20 (1967), S. 365-392.


Paech, Katharina Larissa: Johann Pachelbels geistliche Vokalmusik. In: De musica disserenda IV/2 (2008), S. 43-64.


Dies.: Johann Pachelbel. Geistliche Vokalmusik, Graz 2006 (Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Dissertation).


Welter, Kathryn Jane: Johann Pachelbel: Organist, Teacher, Composer. A Critical Reexamination of His Life, Works, and Historical Significance, Cambridge, Mass., 1998 (Harvard University, PhD Dissertation).