Morata 2018-01-30T12:21:04+00:00
Abbildung: Olympia Morata als Hofdame. Die Halskrause erinnert an die Kleidung protestantischer Theologen. Ölgemälde aus Italien nach 1580; in Privatbesitz.

Biografie

1526 Olympia Fulvia Morata kommt in Ferrara als Tochter des Humanisten Fulvio Pellegrino Morato und seiner Frau Lucrezia Morata zur Welt


1540 Am Renaissancehof in Ferrara beeindruckt sie mit Intelligenz und Bildung > lesen


1548 Fulvio Morato stirbt und Olympia Morata wird vom Hof verstoßen > lesen


1549 Olympia Morata heiratet den Mediziner Andreas Grundler aus Schweinfurt


1550 Das Paar zieht nach Schweinfurt, wo Olympia unterrichtet und sich in vielen Briefen für die Reformation einsetzt > lesen


1554 Belagerung Schweinfurts durch Markgraf Albrecht II. Alkibiades


1554 Stadtzerstörung Schweinfurts und Flucht nach Heidelberg, wo Olympia Morata einen Lehrauftrag für Griechisch erhält (?)


1555 Olympia Morata stirbt an den Folgen der Flucht

„In Christus
ist nicht Mann
noch Frau …“

Die Stellung von Frauen in Kirche (und Gesellschaft) war schon lange Gegenstand hitziger Diskussionen. Schon in der frühen Kirche waren Frauen in Gemeinden aktiv. In der Reformationszeit betonte Martin Luther, dass alle Gläubigen vor Gott gleich sind. Frauen blieben trotzdem vom Pfarramt ausgeschlossen. Aber die Reformation lebte auch von den Frauen, die die protestantische Botschaft der Gnade verbreiteten und mutig für ihre Überzeugung einstanden. Das Leben der Humanistin Olympia Morata zeigt, wie der Glaube Frauen zur Mitgestaltung ermutigte.

Bildung für Frauen?!

Portraitminiatur von Olympia Morata (17. Jahrhundert, Deutschland). Olympia Morata ist hier als fromme Ehefrau dargestellt. © Museen und Galerien Schweinfurt

Bildung für Frauen?!

Olympia Morata
als Renaissance-Gelehrte

Die junge Olympia Morata lebt am Hof von Ferrara im Glanz der Renaissance: Antike Dichter und Philosophen werden wieder lebendig, der Mensch vertraut auf seine unbegrenzten Fähigkeiten.
Olympias Vater unterrichtet in diesem Geist die Söhne des Herzogs und auch seine Tochter.

Als hochbegabtes „Wunderkind“ wird Olympia Morata an den Hof berufen: Im Alter von zwölf Jahren beherrscht sie Latein und Griechisch fließend; mit Gedichten und Vorlesungen über Cicero beeindruckt sie die gelehrtesten Humanisten.

Abbildung: Der Hof von Ferrara. Quelle: Agata&Andrew Mleczko/ CC BY-NC-ND / © Leonid Andronov/123rf.com
Abbildung: Der Hof von Ferrara. © Leonid Andronov CC BY-NC-ND

Frauen und Bildung in der Renaissance

Olympia Morata hatte das Glück, von ihrem Vater, dem Humanisten Pellegrino Fulvio Morato, schon früh gefördert zu werden. Durch seine Kontakte an den Hof von Ferrara, wo er die Söhne des Herzogs Ercole unterrichtete, wird die Herzogin Renata d’Este auf Olympia Morata aufmerksam und beruft sie als Spiel- und Lerngefährtin ihrer Tochter Anna an den Hof. Dort lernt Morata bedeutenden Humanisten kennen, wie die Brüder Johannes und Kilian Sinapius aus Schweinfurt.

Sie trägt selbstverfasste Gedichte und Vorlesungen über Ciceros Paradoxa vor. Als Frau einen so hohen Grad an Talent und Bildung zu zeigen, war in der italienischen Renaissance relativ ungewöhnlich und wurde meist durch ein Abwerten der weiblichen Eigenschaften kompensiert. So schreibt der Humanist Giraldi, Olympia sei ein „über ihr Geschlecht hinaus begabtes Mädchen“.

„Weil die Wissenschaften unter allen menschlichen Dingen so sehr hervorragen, wieso sollen dann, bitte sehr, Spinnrocken und Nadeln der Weiblein […] mich von den sanfteren Musen wergrufen können? Gegen die Zaubertöne solcher Frauen habe ich wie Odysseus vor den Verlockungen der Sirenen meine Ohren verschlossen. Wie denn? Spinnrocke und Spindel sollen imstande sein, mir das nahezubringen, worin diese Gegenstände überhaupt nicht zu Wort kommen? Oder sollen etwas jene ganz alltäglichen Geschäfte an sich irgendeinen Anreiz bieten? Aber mein Verstand lehnt die Einstellung jener Frauen entschieden ab.“ Damit tritt sie selbst einerseits sehr selbstbewusst auf, übernimmt aber andererseits das in der Renaissance verbreitete Modell der gebildeten Frau als „virago“, einer Ausnahmefrau, die letztlich nicht mehr als Frau betrachtet werden kann.

Hören Sie mehr dazu in einer Audioaufnahme des Olympia-Morata-Gymnasiums Schweinfurt

Sprecher:
Isabelle Theißen (Olympia Morata deutsch)
Linus Trapp (Sprecher deutsch)
Agnes Conrad (Olympia Morata englisch)
Elisabeth Kiel (Sprecherin englisch)

Technik:
Philipp Hauswirth

Begleitende Lehrkräfte:
Andrea Lettowsky, Wolfgang Schweser

Text:
O. Morata; Übersetzung von M.Mangels

Musik:
John Dowland: Flow my tears Early Music – Classical Guitar Ensemble
Eracilon: Fuguencelle (2015) 

Schicksalsschläge
und neue Hoffnung

Im Jahr 1548 erschüttern Schicksalsschläge das Leben der jungen Frau: Ihr geliebter Vater erkrankt und stirbt. Am Hof ist sie nicht mehr erwünscht und fürchtet die Inquisition.

Neue Hoffnung bekommt Olympia Morata durch den Glauben und die Liebe zu Andreas Grundler, einem gebildeten Arzt aus Schweinfurt.

Der Tod von Olympia Moratas Vater führt sie in eine tiefe Verzweiflung, und sie findet schließlich Halt im Glauben, der ihr bis dahin (wohl) wenig bedeutet hatte. Ihr Vater war schon in den Jahren davor, angeregt durch den befreundeten Humanisten Celio Curione, überzeugter Protestant geworden; und am Hof hatte Herzogin Renata ihre schützende Hand über Glaubensflüchtlinge gehalten, u.a. auch Calvin (als Jean d’Espeville). Doch zusätzlich zu Olympias privaten Unglück änderte sich die Situation am Hof und die Inquisition wurde durchgesetzt – Morata ist dort nicht mehr erwünscht und kehrt zu ihrer Mutter zurück.

Durch den Kontakt mit den Brüdern Sinapius lernt sie aber dann wie bereits erwähnt den Arzt Andreas Grundler kennen, der aus Schweinfurt zum Studium nach Ferrara gekommen war. Schon nach kurzer Zeit heiraten sie und machen sich schließlich auf den Weg nach Deutschland.

Portraitminiaturen von Olympia Morata und Andreas Grundler (17. Jahrhundert, Deutschland). Olympia Morata ist hier als fromme Ehefrau dargestellt. © Museen und Galerien Schweinfurt.
Abbildungen: Portraitminiaturen von Olympia Morata und Andreas Grundler (17. Jahrhundert, Deutschland). Olympia Morata ist hier als fromme Ehefrau dargestellt. © Museen und Galerien Schweinfurt

Hören Sie, wie Olympia Morata Celio Curione von den Ereignissen berichtet

Sprecher:
Isabelle Theißen (Olympia Morata deutsch)
Linus Trapp (Sprecher deutsch)
Agnes Conrad (Olympia Morata englisch)
Elisabeth Kiel (Sprecherin englisch)

Technik:
Philipp Hauswirth

Begleitende Lehrkräfte:
Andrea Lettowsky, Wolfgang Schweser

Text:
O. Morata, Briefe, 56.

Musik:
Anthony Holborne Funeral – Classical Guitar Ensemble – Classical Guitar Ensemble
Lied von Andreas Grundler: Cantilena „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser“ (privat)

Botschafterin der Reformation

Portraitminiatur von Olympia Morata (17. Jahrhundert, Deutschland). Olympia Morata ist hier als fromme Ehefrau dargestellt. © Museen und Galerien Schweinfurt

Botschafterin der Reformation

Olympia Moratas
Einsatz für die Reformation

Die Suche nach Heimat führte das junge Ehepaar nicht direkt nach Schweinfurt: Über die Alpen ziehen die beiden mit Olympia Moratas kleinem Bruder Emilio nach Deutschland. Sie finden Unterkunft in Kaufbeuren, Augsburg und Würzburg, bis Andreas schließlich ein Angebot als Stadtarzt aus Schweinfurt erhält.

In der kleinen Reichsstadt unterrichtet  Olympia Morata ihren Bruder und die Tochter des befreundeten Humanisten Sinapius in alten Sprachen. Sie tauscht sich mit dem humanistisch-reformatorischen Kreis vor Ort aus und nutzt ihr weites Netzwerk, um den Glauben zu verbreiten.

Das Leben in der kleinen Reichsstadt (ca. 700 Vollbürger) fällt Olympia Morata nicht immer leicht – den Kontakt mit ihrer Familie zu halten ist schwierig und die deutsche Sprache auch. Was sie dafür besonders schätzt und was für sie das Heimweh aufwiegt, ist der freie Zugang zu theologischen Büchern: „Wenn mir Deutschland nicht den Trost geben würde, dass man hier jene theologischen Bücher besitzen darf, die ich dort entbehren müsste, könnte ich die Sehnsucht nach den Meinen nicht ertragen.“

In zahlreichen Formen setzt sie sich für die Reformation ein: Sie möchte ihren Landsleuten Luther nahebringen und bittet daher um Übersetzungen ins Italienische; sie gibt Zeugnis ab von dem Licht, das ihr mit den „studia divina“, den „göttlichen Studien“ aufgegangen ist und teilt diese Erkenntnisse mit ihren Freundinnen. Herkommend von einer calvinistischen Prägung möchte sie auch die Spaltungen innerhalb des Protestantismus überwinden: „All die falschen Meinungen, all die Irrtümer, all die Streitigkeiten entstehen nur, weil man die Schrift nicht sorgfältig liest.“

Ihre Jugendfreundin Anna, die inzwischen mit dem Herzog de Guise von Frankreich verheiratet ist, fordert sie auf, der Verfolgung der Hugenotten in Frankreich Einhalt zu gebieten. Das zeigt nicht nur, wie aufmerksam Olympia die europaweite Situation der Protestanten und Protestantinnen verfolgte, sondern auch ihre Ansicht über die Verantwortung von Frauen: Jede und jeder ist für ihr Handeln und Unterlassen verantwortlich, auch im politischen Bereich.

Hören Sie hier Ausschnitte aus
den erwähnten Briefen von Morata

Sprecher:
Roger Schmidt, Britta Mann

Texte:
Aus Olympia Morata: Briefe
Abbildung unten: Handschrift der Übertragung von Psalm 46 auf Griechisch. © Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 10363, Brief Nr. 103

Allein die Schrift – sola scriptura!

Die junge Humanistin wendet nun ihre Aufmerksamkeit nicht mehr allein antiken Philosophen, sondern der Bibel zu. In ihr findet sie Orientierung und Trost. Aber sie nutzt ihre Fähigkeiten auch, um selbst Psalmen ins Griechische zu übertragen.

Statue von Olympia Morata in Schweinfurt

Menschenvolk, erkenne, wie herrlich alle
Seine Werke sind, wie bewundernswürdig,
auf der Erde wie in des Himmels Haus, des
sternengeschmückten.

Er bereitet blutiger Schlacht ein Ende.
Er zerschlägt den Bogen, den reich verzierten.
Er zerbricht die Lanze, verbrennt den Schild im
lodernden Feuer.

Blicke auf zu mir! Spricht der Heere Fürst, der
Herrscher, welche Macht, welche starken Waffen
Eignen mir, allein bin ich der Herr ich über
Menschen und Götter.

Er, er allgewaltige, kampferprobte
Herrscher, allen Heeres berühmter Feldherr,
führt uns, ist den Unsern ein Hort und steht uns
hilfreich zur Seite.

Rechts unten in der Ecke: „Es schuf Olympia Morata Grundlerin.“

Übersetzung von Rainer Kößling/ Gertrud Weiss-Stählin, in: Olympia Fulvia Morata: Briefe, Leipzig 1991, 173ff.

Hören Sie, was die Bibel
für Olympia Morata bedeutet:

Sprecher:
Isabelle Theißen (Olympia Morata deutsch)
Linus Trapp (Sprecher deutsch)

Technik:
Philipp Hauswirth

Begleitende Lehrkräfte:
Andrea Lettowsky, Wolfgang Schweser

Musik:
John Dowland: Go Crystal Tears – Classical Guitar Ensemble
Kwahmah02: Writing-with-Pen.flac

Text:
Oympia Fulvia Morata: Briefe, Leipzig 1991, 72.

Priestertum aller Gläubigen – auch der Frauen

Eine der zentralen Erkenntnisse der Reformation ist das Priestertum aller Gläubigen: Vor Gott gibt es keinen Standesunterschied, jede und jeder darf sich ohne Vermittler an Gott wenden und in der Bibel lesen. Olympia Morata denkt diesen Ansatz konsequent weiter und setzt sich für eine Verkündigung unabhängig von der Person ein:
„Seht darüber hinweg, daß ich, die ich zu euch spreche, eine Frau bin! Zieht niemals die Person in Betracht, die mit Euch spricht, sondern bedenkt, ob die Worte, die sie spricht, ihre eigenen sind oder die Gottes!“

Auch sonst hat sich Olympia Moratas Bild von Frauen gewandelt: Bildung und Ehe sind für sie nun nicht mehr unvereinbar, wie es das Virago-Konzept vorsah. Stattdessen weiß sie sich getragen von Gottes Willen und sieht ihre Begabungen als gottgegeben: „Gott gab mir die Begabung und diesen Sinn, so dass ich im Lerneifer so sehr entzündet wurde, dass mich niemand davon ablenken konnte. […] Daher geschah dies alles nach seinem Willen und seinem Rat, und wahrlich macht er niemals etwas unbesonnen oder unvorsichtig.“ Damit schafft sie es, zwei Denkstränge zu vereinen: den humanistischen, der Ausnahmefrauen Bildung zugestand, und den protestantischen, der der Ehe eine neue Wertschätzung gab. (Was natürlich ambivalente Folgen hatte, da dadurch zwar der weltliche Bereich mehr geschätzt wurde, Frauen aber auch in den privaten Bereich verdrängt wurden.)

Argula von Grumbach ist die bekannteste bayerische Reformatorin. Auch sie bestand darauf, dass Frauen zu Theologie beitragen können und forderte die Universität Ingolstadt zu einer Disputation über reformatorische Theologie heraus.

Lesen Sie mehr über die Frauen der Reformation in diesem Artikel von Britta Mann, erschienen in: Olympia Fulvia Morata: Das Olympia-Morata-Gymnasium und seine Schulpatronin in Bildern und Texten, Schweinfurt 22016, 43-48.

Portraitmedaille der Argula von Grumbach, um 1520. Bild: Wikipedia
Hans Schwarz, www.heiligenlexikon.de

Flucht und Leid

Portraitminiatur von Olympia Morata (17. Jahrhundert, Deutschland). Olympia Morata ist hier als fromme Ehefrau dargestellt. © Museen und Galerien Schweinfurt

Flucht und Leid

Kriegszeit in Schweinfurt

Am 28. Mai 1553 besetzt Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach Schweinfurt, um den Aufruhr der Reformationszeit für seinen eigenen Machtgewinn zu nutzen. Daraufhin beschießen die Truppen von Nürnberg, Würzburg und Bamberg die Stadt. Die Belagerung bringt alle an die Grenzen: Lebensmittel sind knapp, es bricht eine Seuche aus.

In dieser schweren Zeit schöpft die junge Frau Kraft aus dem Glauben: „In all diesem Unglück aber tröstete uns nur eines: das Wort Gottes, das uns eine Stütze war; um seinetwillen sehnte ich mich niemals nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück, wollte ich lieber hier den Tod erleiden, als anderswo alle Freuden der Welt genießen. Und obwohl wir noch nicht von diesem Übel frei sind, haben wir doch die Hoffnung, weil Gott uns ja immer so zur Seite stand, daß wir, wenn es ihm lieb und angebracht erscheinen wird, befreit sein werden.“

Olympia Morata berichtet ausführlich über die Zeit der Belagerung und die anschließende Flucht.
Hören Sie hier Ihren Bericht:

Wie Olympia Morata mit dem erlebten Leid umging,
hören Sie hier:

Sprecher:
Isabelle Theißen (Olympia Morata deutsch)
Linus Trapp (Sprecher deutsch)

Technik:
Philipp Hauswirth

Begleitende Lehrkräfte:
Andrea Lettowsky, Wolfgang Schweser

Musik:
YleArkisto: Vanhan ajan sota, taistelu / Ancient, old time battle, combat, horses galloping, men shouting and barking, fencing, swords clanging, guns, cannons, shots, mix
J. S. Bach: Prelude to Partita#1 in Bb – Classical Guitar Ensemble
Orlando Gibbons: The Silver Swan – Classical Guitar Ensemble
Text:
Oympia Fulvia Morata: Briefe, Leipzig 1991, 90f., 105.

Kurzer Neubeginn in Heidelberg

Olympia Morata flieht über verschiedene Stationen mit ihrem Mann und dem kleinen Bruder nach Heidelberg. Dort erhält Andreas Grundler eine Stelle an der Universität und wahrscheinlich wird sogar Olympia Morata als Privatdozentin für Griechisch berufen – eine außergewöhnliche Auszeichnung für eine Frau im 16.Jahrhundert!

In Heidelberg haben die Grundlers es nicht leicht, Fuß zu fassen – die finanzielle Lage bleibt unsicher und bald bricht zudem die Pest aus. Olympia Morata ist mit ihren Gedanken bei den Menschen in Schweinfurt und versucht, ihnen Unterstützung zukommen zu lassen. Sie möchte ihrer Klage über das Schicksal der Stadt in einem Trauerlied Ausdruck verleihen. Aber dazu kommt es nicht mehr, denn Olympia leidet unter den Folgen der Flucht und ist von schwerer Krankheit geplagt. Deshalb kann sie auch nicht mehr dem Ruf als Privatdozentin für Griechisch an die Heidelberger Universität folgen. Die Berufung ist historisch umstritten, da sie erst in einem späteren Brief belegt ist; sollte sie aber tatsächlich erfolgt sein, wäre es eine außerordentliche Auszeichnung.

Im Oktober 1555 stirbt Olympia Morata an den Folgen der Flucht; Andreas und Emilio kurze Zeit später an der Pest. Bis zu ihrem Tod blieb Olympia voller Vertrauen auf Gott und Hoffnung auf ein Leben über das Leiden hinaus. Ihr Mann berichtet, „sie wünsche sich nichts sehnlicher, als ‚dahinzuscheiden und bei Christus zu sein.’“

Auch in der Erinnerung ihrer Mitmenschen blieb sie lebendig und wurde in vielen Gedichten gerühmt. Curione brachte schon 1558 die erste Ausgabe ihrer Werke heraus, die so beliebt war, dass ihr neue Auflagen mit Erweiterungen und Lobgedichten auf sie folgten. So bewies Curione große Weitsicht, als er an Olympias Mutter nach ihrem Tod schrieb: „Es lebt, sage ich, o Lucrezia, Deine Olympia auch noch in dieser Welt, und solange es Menschen auf Erden gibt, wird sie leben in lebendiger Erinnerung an ihre Werke sowie an die Zeugnisse ihrer Frömmigkeit und im Gedächtnis aller hervorragenden Geister.“

Titelseite von Olympia Fulvia Morata: Opera omnia, Basel: Perna 1570.
Titelseite von Olympia Fulvia Morata: Opera omnia, Basel: Perna 1570. Zwei Frauenfiguren stehen für Moratas Lebensstationen: Germania (links) und Italia (rechts). Schon in den Himmel enthoben, kniet Morata vor Christus. Übersetzung: „Der Olympia Fulvia Morata Gruntlera, die einst von Gestalt ein Weib, an Geist aber größer als ein Mann, mit einem Herzen, das allein Christus fassen wollte, die ganze Welt verschmähte: Basilius Johannes Herold verfertigte dies der himmlischen Bürgerin. Sie lebte 29 Jahre. Sie siegte 1555 im Monat Dezember. Sie triumphiert in Ewigkeit.“ In dem Lob zeigt sich ein Verständnis, das gebildete Frauen nur als über ihr Geschlecht hinausreichende Ausnahmeerscheinung betrachtete. © Universitätsbibliothek Heidelberg, Sign.: D 8545-2 RES, Titelblatt.

Der Weg zur Frauenordination

Frauen wie Olympia Morata oder Argula von Grumbach spielten für die Reformation eine wichtige Rolle und setzten sich für die öffentliche Verkündigung aller ein. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es das große Engagement von Theologinnen, das dazu führte, die bestehenden Geschlechterrollen in der Kirche zu überdenken und schließlich 1975 die Frauenordination in Bayern einzuführen. Wie Olympia Morata sahen die ersten Pfarrerinnen sich damit beauftragt, die biblische Botschaft zu verbreiten. Heute ist über ein Drittel der Ordinierten weiblich, und auch in kirchenleitenden Funktionen sind Frauen vertreten – allerdings noch nicht in gleichem Maße wie Männer.

Jubiläumsfeier zum 35-jährigen Jubiläum der Frauenordination. © Wolfgang Noack.
Jubiläumsfeier zum 35-jährigen Jubiläum der Frauenordination.
© Wolfgang Noack.

Es bleibt eine Herausforderung, Chancengleichheit in allen Bereichen zu verwirklichen: Die Verkündigung des Wortes Gottes ist nicht nur unabhängig von Geschlecht, sondern auch von sexueller Orientierung, sozialer Herkunft oder Hautfarbe.

Lesen Sie mehr über die Frauenordination in Bayern: Infobroschüre 40 Jahre Frauenordination

Zum Weiterlesen

Olympia Fulvia Morata: Briefe. Aus dem Lateinischen, Italienischen und Griechischen übersetzt von Rainer Kößling und Gertrud Weiss-Stählin. Reclam, Leipzig 1991.


Ulrike Halbe-Bauer: Olympia Morata. Das Mädchen aus Ferrara. Brunnen, Gießen und Basel 2004 (belletristische Darstellung)


Die Online-Ausstellung „500 Jahre Reformation: Von Frauen gestaltet“ bietet einen interessanten Beitrag zu Morata:  „Olympia Morata: Eine schreibende Frau an der Schwelle zur Neuzeit: Dichterin, Denkerin, Humanistin und überzeugte Protestantin. Ein Beitrag von Martina Mangels“

Zur Vertiefung

Bainton, Roland H.: Women of the Reformation in Germany and Italy, Minnesota 1971, 253-268.


Burke, Peter: Die europäische Renaissance, München 1998.


Conrad, Anne: Aufbruch der Laien, Aufbruch der Frauen. Überlegungen zur Geschlechtergeschichte der Reformation und katholischen Reform, in: Conrad,


Anne (Hg.): „In Christo ist weder man noch weyb“. Frauen in der Reformation und der katholischen Reform, Münster 1999, 7-22.


Dörner, Anke: Vom Selbstbild zum Vorbild: Olympia Fulvia Morata und die Konstruktion eines protestantischen Frauenmodells im 16.Jahrhundert, in:


Burschel, Peter/Conrad, Anne: Vorbild Inbild Abbild. Religiöse Lebensmodelle in geschlechtergeschichtlicher Perspektive, Freiburg 2003.


Düchting, Reinhard: Olympia Fulvia Morata: Stationen ihres Lebens. Katalog zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg, Ubstadt-Weiher 1998.


Heinsius, Maria: Das unüberwindliche Wort- Frauen der Reformationszeit, München 1953.


Henze, Barbara: Kontinuität und Wandel des Eheverständnisses im Gefolge von Reformation und katholischer Reform, in: Conrad, Anne (Hg.): „In Christo ist weder man noch weyb“. Frauen in der Reformation und der katholischen Reform, Münster 1999, 129-150.


Holzberg, Niklas: Olympia Morata und die Anfänge des Griechischen an der Universität Heidelberg, Berlin 1987.


Honemann, Volker: Olympia Fulvia Morata: Schreiben in schwierigen Zeiten, in: Bollmann, Anne: Ein Platz für sich selbst: schreibende Frauen und ihre Lebenswelten (1450 – 1700), Frankfurt a.M. 2011, 43-68.


King, Margarete L.: Frauen in der Renaissance, München 1993.


Leicht, Irene: Geistreich und gebildet. Humanistinnen zwischen Renaissance und Reformation, in: Conrad, Anne (Hg.): „In Christo ist weder man noch weyb“. Frauen in der Reformation und der katholischen Reform, Münster 1999, 23-48.


Olympia Fulvia Morata: Das Olympia-Morata-Gymnasium und seine Schulpatronin in Bildern und Texten, Schweinfurt 2016.


Rabil, Albert: Olympia Morata (1526-1555), in: Russell, Rinaldina: Italian Woman Writers. A bio-bibliographical sourcebook, Westport 1994.


Vorländer, Dorothea: Olympia Fulvia Morata – eine evangelische Humanistin in Schweinfurt, in: ZbKG 39 (1970).


Weiß-Stählin, Gertrud: Morata und Schweinfurt. Wechselbeziehungen zwischen italienischer und deutscher Frömmigkeit im Zeitalter der Reformation, in: ZbKG 30 (1961).


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