Flierl 2017-12-28T13:45:27+00:00
Abbildung: Johann Flierl (ca. 1884) © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_002526.

Biografie

1858 Johann Flierl kommt in Buchhof in der Oberpfalz zur Welt  > lesen


1876 Johann Flierl kommt in das Missionsseminar in Neuendettelsau


1878 Ausreise nach Australien


1878-1886 Gründung und Betreuung einer „geschützten“ Aborigineskommunität und -gemeinde


1882 Hochzeit mit Louise Auricht in Süd- Australien


1886 Reise nach Neuguinea und Gründung der Station Simbang  > lesen


1892 Gründung der Station Sattelberg  > lesen


1899 Die ersten beiden Einheimischen lassen sich taufen: Tobias und Silas  > lesen


1904 Johann Flierl zieht nach Heldsbach


1930-1937 Ruhestand in Tanunda


1937 Rückkehr nach Neuendettelsau > lesen


1947 Tod

„Damit sie
das Leben haben
und es in Fülle haben“

Glaube überwindet Grenzen und öffnet Türen. Im 19. Jahrhundert machte sich der Bauernjunge Johann Flierl aus der Oberpfalz auf, um am anderen Ende der Welt Menschen von Gott zu erzählen – ohne Angst vor der Begegnung mit einer fremden Kultur. Er stieß dabei Fragen an, die uns heute noch beschäftigen: Wie sehr ist unsere Art, Glauben zu leben, von unserer Kultur bestimmt? Wie können wir anders geprägten Menschen begegnen und auf Fremde zugehen? Welche Verantwortung tragen wir gegenüber Menschen weltweit?

Vom kleinen Dorf in die weite Welt

„Ich war etwa neun Jahre alt, da erwachte in meinem Herzen Verlangen und Sehnsucht, Heidenmissionar zu werden.“
Buchhof © Gerda Stollner
Abbildung: Buchhof © Gerda Stollner

Kindheitsträume?

Johann Flierl kommt am 16. April 1858 in dem kleinen Weiler Buchhof als Bauernkind zur Welt und wächst in der abgeschiedenen Oberpfalz auf. Als er Geschichten von Missionaren aus der ganzen Welt liest, erwacht in ihm der Wunsch, Menschen anderer Kulturen kennenzulernen und ihnen das Evangelium nahezubringen.
Direkt nach der Konfirmation reist er nach Neuendettelsau, um sich zum Missionar ausbilden zu lassen, aber erst vier Jahre später ist er dafür alt genug.

Johann Flierl (ca. 1884) © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_002526.
Johann Flierl (ca. 1884) © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_002526.

Kleine Heimat, große Träume

Johann Flierls Kindheit ist geprägt von einer harmonischen Familie, viel Zeit allein in der Natur und dann mit Büchern. Die Bücher wecken auch die Sehnsucht nach mehr in ihm: Durch die Calwer Kindermissionsblätter erfährt er über die Mission und fiebert mit: „Ich erlebte alles mit, was ich las, und manchmal wurde mir bange um einen Missionar.“

Er behält seinen Wunsch erst für sich und bittet nur Gott um Hilfe; trotzdem schlägt ihm dann der Pfarrer vor, zur Missionsschule zu gehen. Johann Flierl sieht das als Zeichen und reist mit Unterstützung seines Vaters nach Neuendettelsau, um sich dort vorzustellen, kann aber erst mit 18 die Ausbildung beginnen.

Das Missionsseminar in Neuendettelsau 1870. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_054279.
Das Missionsseminar in Neuendettelsau 1870. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_054279.

In Australien und Aufbruch nach Neuguinea

Noch bevor seine Ausbildung abgeschlossen ist, begibt sich der junge Mann auf die wochenlange Reise nach Australien. Dort arbeitet er sieben Jahre lang mit den Einheimischen, lernt die indigene Sprache Dieri, unterrichtet, baut Kirchen und Schutzräume. Aber seinen Traum eines vom Westen noch unerschlossenen Missionsgebietes findet er erst in Neuguinea, das 1884 vom Deutschen Reich besetzt wird.

Abbildungen: Louise und Johann Flierl 1882. © Privatbesitz Susanne Froehlich. Aborigines in Hope Valley. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_010693.

Ankunft in Simbang

Im sogenannten „Kaiser-Wilhelms-Land“ sieht Flierl die Chance, ganz neu anzufangen. Er reist in die Kolonie, landet zunächst in Finschhafen, wo die „Deutsche Neuguinea Companie“ ihren Hauptsitz hat. Schon bald sucht er aber nach Möglichkeiten, sich von der Kolonialregierung abzusetzen, durchstreift das Umland und findet schließlich einen geeigneten Platz in Simbang.

Finschhafen heute © Bernard Riff.
Abbildung: Finschhafen heute © Bernard Riff.

Der Missionar berichtet selbst über die Anfangszeit in dem Dorf: Der Empfang dort war „nicht ermutigend. Einmal war uns das Wetter nicht günstig; nachdem die Tage zuvor sonnig und heiter gewesen schüttete gerade bei unserer Landung der Regen vom Himmel. Das Schlimmste aber, die Bewohner von Simbang, voran der erste Häuptling, erhoben ernsten Protest gegen unsern Aufzug. Es ist dies charakteristisch für die Unzuverlässigkeit von solchen Wilden.“ Flierl ist es zwar unverständlich, dass sein Verhalten übergriffig sein könnte; dennoch bringt er auch Verständnis auf: „Es ist das nicht zu verwundern und den Schwarzen kaum zu verdenken. Ein wirkliches Verständnis von dem, was ein Missionar will und bringt, war ihnen noch nicht beizubringen gewesen. So sahen sie in uns fremde Eindringlinge und fürchteten für ihr Dorf und ihre Existenz.“ Flierl hatte zwar im Vorfeld seine Pläne versucht deutlich zu machen, aber aufgrund mangelnder Sprach- und Kulturkenntnis war ihm dies nicht gelungen. Teilweise handgreifliche Konflikte entstehen, bis Flierl langsam anerkannt ist und eine Missionsstation aufbaut.

Dörfliches Leben. Rechte: Susanne Froehlich
Dörfliches Leben. Rechte: Susanne Froehlich
Dörfliches Leben. Rechte: Susanne Froehlich

Wie die einheimische Bevölkerung von Simbang die Begegnung wahrnahm, ist leider nicht bekannt. Im Allgemeinen wurden Missionare aber oft als „Melo“ gesehen, d.h. „dummen Tölpel“, der die Bedeutung von Geistern und Zauber nicht kennt. Sie erscheinen sogar als unmenschlich; oft nimmt man aber auch an, sie kämen aus dem Reich der Ahnen. Viele Mythen ranken sich bald um die Weißen und versuchen, ihre Ankunft zu erklären. Die Einheimischen versuchen auch, die Weißen in das System der Reziprozität einzubinden, was aber von Seiten der Weißen nicht verstanden wird. Es stellen sich im Gegenteil bald Konflikte ein, weil die Kolonialregierung hauptsächlich auf Gewinn aus war und wenig Interesse an der Situation der Menschen hatte.

Mission für das Leben

Johann Flierl

Mission für das Leben

Mission, Bildung und Entwicklungshilfe

Johann Flierl hatte eine Mission: sich für ein gutes Leben der Menschen einzusetzen. Im Dschungeldorf Simbang in Papua-Neuguinea baut er eine „Kostschule“ auf. Hier lernen die Schüler nicht nur Lesen und Schreiben, sondern arbeiten auch auf dem Feld und erleben christlichen Glauben.

So verbindet Johann Flierl von Anfang an Mission, Bildung und Entwicklungshilfe, um den Einheimischen – auch angesichts der drohenden Ausbeutung durch westliche Kompagnien – ein autonomes Leben zu ermöglichen.

„Wo von Weißen unsern Schwarzen offenbar Unbill geschieht, da müssen wir natürlich mutig für sie eintreten.“

Das Verhältnis von Mission und Kolonialregierung nahm so vielfältige Formen an, wie es Missionsgesellschaften und Missionare gab. Flierl bemühte sich stets, die Mission nicht als Vorarbeit für die Kolonisierung missbrauchen zu lassen. Dennoch war sein Empfang von Seiten des Hauptmanns von Schleinitz sicherlich auch deshalb so freundlich, weil dieser sich durch die Mission eine Zivilisierung der Bevölkerung erhoffte; und hier stimmte Flierl in seinen Absichten auch überein. Das Evangelium hatte für ihn auch lebensverändernde Konsequenzen: „weil sie sich nun auch zu einer besseren und Christen würdigen Lebenshaltung emporringen wollen, so möchten sie auch bei der Mission lernen, wie man dem Klima angemessen und doch sittsam sich kleidet, bessere Wohnungen errichtet und aus dem guten Lande mehr zieht als nur das notdürftige Leben.“ Er baute die Mission daher wie bereits erwähnt auf dem Prinzip der sog. Kostschule auf, das er während seiner Missionsarbeit in Australien kennen gelernt hatte. Die Schüler erhielten Unterricht und arbeiteten dafür auf dem Feld, um gleichzeitig die Handhabe der europäischen Werkzeuge zu lernen, Haus- und Nutztiere zu halten und Gewächse anzupflanzen. So wurde Mission sowohl ein Werkzeug der Zivilisierung, als auch ein Versuch, das Leben der Menschen zu verbessern und die frohe Botschaft ganzheitlich zu verstehen. Flierl wollte die Einheimischen dadurch auch vor den Gefahren der Zivilisation bewahren und ihnen einen guten Umgang damit zeigen. Er hielt es für wichtig, dass „unsere Christen ihre Landwirtschaft der neuen Zeit anpassen, die neuen Hilfsmittel recht gebrauchen, um als freie schwarze Bauern auf ihrem Land bleiben zu können“.

Schule in Simbang. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_007690.
Abbildung: Schule in Simbang. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_007690.

Mission als Gewissen der Kolonialregierung

Die Kolonialregierung sieht der Missionar sehr kritisch. Er versteht es als Aufgabe der Mission, das Gewissen der Herrschenden zu sein. Johann Flierl engagiert sich als Verteidiger der Unterdrückten: Unermüdlich erhebt er Einspruch, wenn er von Ausbeutung oder Vergewaltigungen erfährt. Damit erreicht er zum Beispiel im Goldrausch der 1920er-Jahre, dass die Menschen nicht zur Arbeit gezwungen werden dürfen.

Feldarbeit. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_007128.
Feldarbeit. © LAELKB, MEW, Foto-Bestand, Foto_007128.

Johann Flierl setzte sich immer für die Menschenrechte der Einheimischen ein: „Die Co. will die Eingeborenen ausbeuten, schonungslos; die Mission deren Bestes suchen, beide vertrüge sich nicht nebeneinander.“ Daher engagierte sich Flierl gegen die Ausbeutung der Menschen, besonders eben während des Goldrauschs in den 20ern. Für die (teils durch Zwang) angeworbenen Helfer waren die Lebensbedingungen katastrophal, ihre Lasten wogen bis zu 112 Pfund und wer unterwegs zusammenbrach, wurde zurückgelassen. „Unterwegs gab es nicht wenige Tote. Sie wurden in alte Wildgruben am Wege oder in Flüsse geworfen, in hohle Bäume oder unter Baumwurzeln gesteckt. Kranke, die nicht mehr weiterlaufen konnte, erhielten etwas Reis und wurden liegen gelassen. Sie machten sich im Wald selbst ein notdürftiges Schutzdach aus Blättern und starben da.“ Als Flierl von der Ausbeutung der Arbeiter erfährt, wendet er sich an die australische Administration und erreicht zumindest eine Lastenbegrenzung auf 50 Pfund. 1927 meldet er einen Vorfall gewaltsamer „Anwerbung“ und erreicht Prozess und Verurteilung des Beamten. Flierl nutzt hier die Möglichkeiten innerhalb des Systems; die Kolonialherrschaft an sich infrage zu stellen, kommt ihm nicht in den Sinn. Er sieht die Aufgabe der Mission vielmehr darin, Gewissen für die Regierung zu sein.

Begegnung verändert

Johann Flierl

Begegnung verändert

Zusammenwachsen

Johann Flierl war ein Pionier der interkulturellen Verständigung. Er begegnet in Papua-Neuguinea einer Kultur, die ganz anders ist als das Leben auf der anderen Seite der Erdkugel in der Oberpfalz – und ebenso fremd ist der weiße Missionar den Einheimischen.

Die Begegnung verläuft nicht immer konfliktfrei und ist oft geprägt von Vorurteilen, Ängsten und schlechten Erfahrungen auf beiden Seiten. Mit viel Ausdauer und ernsthaftem Bemühen um die Menschen gewinnt Johann Flierl schließlich Vertrauen und auch die ersten einheimischen Missionshelfer.

Abbildungen: Gehilfenschüler in Heldsbach 1925. Die Missionarsfamilie Pilhofer steht abgesondert und ist durch ihre Kleidung abgehoben, um Statusunterschiede zu verdeutlichen. © Privatbesitz Susanne Froehlich. “Senior Flierl Would Lead Black and White to Jesus” (1929): Johann Flierl mit Enkel Helmut und Zakiacnuc. © Privatbesitz Susanne Froehlich.

Johann Flierl brachte den Einheimischen eine generelle Wertschätzung und Offenheit entgegen. Er bemühte sich um eine Kenntnis der Sprachen (Kote und Jabim, die beiden Hauptsprachen in den Missionsgebieten) und sah eine Integration der einheimischen Bräuche als möglich an. Einheimischen Gemeindehelfern, die aus den Missionsschulen hervorgingen, brachte er große Achtung entgegen: Sie spielten eine wichtige Rolle in der Ausbreitung des christlichen Glaubens und erfuhren große Anerkennung. Vor allem aber sprach er ihnen – im Gegensatz zu manchen Zeitgenossen – nie die Menschenwürde ab: “The natives are humans, just as we are, in spite of the fact that a European at Finschhafen once said to me: “The natives are not humans, they are just blacks!” Yes, though they be black, they are human, and entitled to our respect.”

Flierls Sichtweise der Einheimischen ist aber durchaus auch geprägt vom Modell seiner Zeit, das die einheimischen Stämme als unterentwickelt betrachtet und ihre Angleichung an den europäischen Entwicklungsstand fordert. Dieser koloniale Rassismus war im Kolonialismus des späten 19.Jahrhundert die gängige Haltung, um Eroberung und Besetzung zu rechtfertigen. Auch Flierl übernimmt diese Gedanken explizit, wenn er schreibt: „Bei keinem der dortigen [papua-neuguineischen] Stämme hat sich bis zur neuesten Zeit irgendeine Gabe oder Kraft zur Staatenbildung gezeigt… Die einzige Hoffnung in politischer Hinsicht für diese endlos zersplitterten, sich selbst zerfleischenden Stämme konnte nur eine europäische väterliche Schutzherrschaft sein.“

Doch daraus leiten sich für ihn keine Machtansprüche ab, sondern eher ein pädagogischer Auftrag, wie er ihn in seinen Missionsschulen verwirklicht.  „Wir dürfen diese Leute doch nicht verachten und an uns selbst vermessen, sondern vielmehr fragen, wie es wohl mit uns und unserem Volk stehen würde, wenn wir von der Urväter Zeit her unter gleichen Verhältnissen hätten leben müssen. Nichts ist mit mehr zuwider, als wenn der Weiße sich selbst überhebt und den armen Schwarzen verachtet, als wäre der nicht auch ein Mensch.“

Die Missionare sollen daher Anwälte und Erzieher der Einheimischen sein und ihnen auf Augenhöhe begegnen: „Wir müssen die weißen Übermenschen in uns töten, den europäischen Herrenmenschen ausziehen und allen alles werden, […] den Papua auch ein Papua, […] um sie für den Heiland zu gewinnen.“

So ist immer eine gewisse Ambiguität aus Flierls Einschätzungen der Einheimischen zu hören: eine freundliche, gönnerhafte Haltung, die zwar die Einheimischen als entwicklungsbedürftig sieht, aber auch die Talente und Fähigkeiten der Menschen wahrnimmt, ihnen etwas zutraut und nie die Menschenwürde abspricht.

„Nichts ist mit mehr zuwider, als wenn der Weiße sich selbst überhebt und den armen Schwarzen verachtet, als wäre der nicht auch ein Mensch.“

Späte Jahre: Johann Flierl und der Nationalsozialismus

In seinen späten Jahren wird Johann Flierls Antisemitismus erkennbar. Anfangs begeistert vom Nationalsozialismus, übernimmt er ohne zu hinterfragen antisemitische Gedanken. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erkennt er die Gefahren des Nationalsozialismus und erhebt
Widerspruch gegen Euthanasie und die Gleichschaltung der Kirchen.

Während seines Ruhestands in Australien kommt Flierl im Zuge seines Enthusiasmus für den Nationalsozialismus auch mit antisemitischen Schriften in Berührung und nimmt deren Denkweise auf. Er beginnt eine bolschewistisch-jüdische Weltverschwörung zu sehen und setzt sich für deren Bekanntmachung gegenüber den seiner Ansicht nach jüdisch unterwanderten australischen Medien ein.

Als er gegen Ende seines Lebens nach Neuendettelsau zurückkehrt, sieht er die Rolle des Nationalsozialismus zwar differenzierter und sendet Eingaben an Hitler wegen der Übergriffe auf innerkirchliche Angelegenheiten und dem „Euthanasie“-Programm (ohne Hitlers Herrschaft generell infrage zu stellen). Von seinem Antisemitismus rückt er aber nicht ab und so bleibt dies eine dunkle und nicht nachvollziehbare Seite seiner Persönlichkeit, die im schroffen Widerspruch steht zu seiner ethischen Haltung der unbedingten Nächstenliebe.

Johann Flierl an seinem 85. Geburtstag in Neuendettelsau. © Privatbesitz Susanne Froehlich.

Unabhängigkeit und Partnerschaft heute

Johann Flierl

Unabhängigkeit und Partnerschaft heute

Eine eigenständige Kirche

Aus der ersten Missionsstation in Simbang entsteht ein weit verzweigtes Netzwerk und schließlich eine eigenständige Kirche. 1973 wird Zurewe Zureno der erste einheimische Bischof. Er setzt sich dafür ein, dass die Kirche tatsächlich eine Kirche der Menschen des Landes wird: „Es ist die Kirche Christi, und alle Menschen aller Länder gehören zu ihm.“

Das Kirchdorf auf dem Sattelberg. Hier eröffnete Johann Flierl 1892 eine weitere Missionsstation. © Privatbesitz Susanne Froehlich.
Abbildungen: (1) Das Kirchdorf auf dem Sattelberg. Hier eröffnete Johann Flierl 1892 eine weitere Missionsstation. © Privatbesitz Susanne Froehlich. (2) © Bernard Riff.

„Die einfachen Leute – das ist die Kirche.” Zurewe Zureno

Seit wie bereits erwähnt 1973 Zurewe Zureno der erste einheimische Bischof wurde, wird die evangelisch-lutherische Kirche in Papua-Neuguinea von den Menschen des Landes geleitet. Der Theologe, der auch sechs Monate zu Besuch in Bayern gewesen war, setzte sich immer für die Autonomie der Kirche ein. “Until recently we thought of the Christian Church as a European affair. […] But now we realize that the Church is part of our life and belongs to this country. Now we are starting to carry out these duties ourselves and make it really our own church.” Die Kirche ist für ihn nicht die Kirchenleitung, sondern die Basisgemeinden, die Menschen vor Ort: “The true church – that is the many simple people scattered here and there in the jungle all over the country. […] When you visit us, you must go to them if you’re looking for the church. Sit down with them, talk to them, eat with them, sleep in their houses. Share their devotions, attend their worship, join them in prayer. Then you’ll meet the true church. And the blessing will be mutual. They will see something of the great, world-wide church and you will encounter the hospitality of true Christians. The ordinary people – that is the church.” Trotzdem spielt der bayerische Missionar immer noch eine wichtige Rolle in der evangelisch-lutherischen Kirche in Papua-Neuguinea: Er wird als „Luther“ des Landes verehrt und sogar mit einem eigenen Feiertag (am 12.Juli, dem Tag seiner Ankunft in Finschhafen) bedacht. Zahlreiche Schauspiele erinnern an diesem Tag an ihn.

Partnerschaft weltweit

Heute ist die evangelisch-lutherische Kirche in Papua-Neuguinea wie 21 weitere lutherische Kirchen weltweit noch eng mit Bayern verbunden: Partnerschaften bringen Gemeinden über die Kontinente hinweg zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen, voneinander zu lernen und gemeinsam den Glauben zu leben. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern setzt sich ein für theologische Ausbildung, Gerechtigkeit und für bessere Lebensbedingungen zu Hause und in den Ländern der Partnerkirchen.

© Bernard Riff.

Zum Weiterlesen

Traugott Farnbacher und Gernot Fugmann (Hg.) Johann Flierl: Ein Leben für die Mission – Mission für das Leben, Neuendettelsau 2009. Hier finden sich sowohl interessante Berichte über Flierl als auch Briefe von Flierl selbst.

Quellen

Als Pioniermissionar in das ferne Neu Guinea. Johann Flierls Lebenserinnerungen (Bd. I: 1858-1886; Bd. II. 1886-1941), hrsg., eingeleitet und kommentiert von Susanne Froehlich, Wiesbaden 2015.


Is the New Guinea Primitive Race destined to perish at the hands of European Civilization? Observations and Experiences, Tanunda 2 October 1936.


60 Jahre im Missionsdienst, Neuendettelsau 1938.


Wie ich Missionar wurde, Auszug aus den „Führungen Gottes“, Neuendettelsau 1910.


In den Missionsdienst! Reisebriefe eines alten Missionars an seinen Sohn im Missionshaus von Johann Flierl, Leipzig 1913, in: Traugott Farnbacher und Gernot Fugmann (Hg.), Johann Flierl: Ein Leben für die Mission – Mission für das Leben, Neuendettelsau 2009, 25-140.

Sekundärliteratur

Froehlich, Susanne: Einleitung, in: Als Pioniermissionar in das ferne Neu Guinea. Johann Flierls Lebenserinnerungen, hrsg., eingeleitet und kommentiert von Susanne Froehlich, Wiesbaden 2015, XVII-XLIV.


Fugmann, Gernot: Melanesische Theologie, in: Papua-Neuguinea – Gesellschaft und Kirche: ein ökumenisches Handbuch, hrsg. von Herwig Wagner, Neuendettelsau 1989.


Gänßbauer, Hannes: Was kommt zurück?, in: Theologische Beiträge aus Papua Neuguinea, hrsg. von Horst Bürkle, Erlangen 1978, 311-322.


Hauenstein: Fremdheit als Charisma. Die Existenz als Missionar in Vergangenheit und Gegenwart am Beispiel des Dienstes in Papua-Neuguinea, Erlangen 1999.


Keller, Rudolf: Von der Spätaufklärung und der Erweckungsbewegung zum Neuluthertum (bis 1870), in: Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern II, hg. von Gerhard Müller et al, St.Ottilien 2000, 31-68.


Knuth, Anton: Es gab auch eine Reformation im Südpazifik. Einige missionsgeschichtliche Überlegungen zum Aneignungsprozess des Christentums in Ozeanien im 19. Jahrhundert, in: Reformationen. Momentaufnahmen einer globalen Bewegung, hg. von Michael Biehl/Ulrich Dehn, Hamburg 2015, 108-119.


Kileo, Emmanuel: Weißsein als ideologisches Konstrukt in kirchlichen Süd-Nord-Partnerschaften, Neuendettelsau 2014.


Mückler, Hermann: Kolonialismus in Ozeanien, Wien 2012.


Raiser, Konrad: Reformatorische Spurensuche in der weltweiten Ökumene. Vortrag beim Ökumenefest in Breklum am 25. Juni 2016.


Steinbauer, Friedrich: Zurewe K. Zureno, in: Ders.: Shaping the Future, Madang 1974.


Stevens, Christine: White Man’s Dreaming: Killalpaninna Mission 1866-1915, Melbourne 1994.


Wagner, Herwig (Hg.): The Lutheran Church in Papua New Guinea: the first hundred years 1886 – 1986, Adelaide 1987.


Walls, Andrew: Art. Mission VI Von der Reformationszeit bis zur Gegenwart, in: TRE 23, 40-59.


Winter, Christine: Looking after One’s Own, The rise of Nationalism and the Politics of the Neuendettelsauer Mission in Germany, New Guinea and Australia (1921-1933), Berlin 2012.